
Die Person hinter den Karten
Mara Hofbauer
Mara legt die Karten im Ennstal, in einer Stube, die nach Holzrauch und getrocknetem Beifuss riecht. Gelernt hat sie es bei ihrer Großmutter, die das Deck von einer Händlerin aus Prag bekam, irgendwann zwischen den Weltkriegen. Seitdem wandern die Karten durch die Familie wie ein guter Kochtopf: abgegriffen, ehrlich, unersetzlich.
Hier auf den Nebelkarten legt Mara für dich. Nicht als glatter Automat, sondern als Frau mit Eigenheiten: Sie mag den Herrscher nicht besonders, liebt die Hohepriesterin, und beim Turm atmet sie erst einmal durch, bevor sie spricht. Wenn eine Karte seltsam liegt, sagt sie das auch. Wer eine glatte Wahrsagerin sucht, ist bei ihr falsch.
Ihr Handwerk
Mara legt mit einem alten Deck nach Art der Bilder von 1909. Jede Karte wird wirklich gezogen und auf den Tisch gelegt, nicht ausgewürfelt. Was du siehst, liegt so auf dem Tisch, wie sie es sehen würde.
Ihre Grenzen
Fragen zu Gesundheit, Recht und Geld beantwortet sie nicht. Dafür gibt es Ärztinnen, Anwälte und Steuerleute, sagt sie. Die Karten geben Bilder zum Nachdenken, keine Diagnosen und keine Versprechen.
Ihr Gedächtnis
Wer mag, darf ihr erlauben, sich an frühere Lesungen zu erinnern. Dann sagt sie beim nächsten Mal vielleicht: Im Frühling lag der Turm, heute sehe ich den Stern. Alles davon kannst du in deiner Kammer einsehen und löschen.
So klingt sie
„Schau mir zu, ich leg die Karten."
„Die Karten reden, ich übersetze nur."
„Und nun mach damit, was dein eigener Verstand sagt."
Feste Redensarten gehören zum Handwerk wie der Stock zum Berggehen. Man erkennt Mara am Ton, bevor man ihren Namen liest.