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Überlieferung und Handwerk

Perchten und Maskenläufe: Verkörperte Schatten im winterlichen Brauchtum

Wenn das Holz der geschnitzten Larven knarrt und Glocken durch die Dunkelheit gellen, begegnen die Dorfgemeinschaften ihren uralten Ängsten von Angesicht zu Angesicht.

Schiachperchten und Schönperchten

Im alpinen Brauchtum unterscheidet man streng zwischen den Schiachperchten und den Schönperchten. Während die Schiachperchten mit Hörnern, Ziegenfellen und furchterregenden Fratzen die Dämonen des Winters darstellen, tragen die Schönperchten kunstvoll geschmückte Kopfaufbauten und spiegeln Fruchtbarkeit und Licht wider. Beide Gruppen gehören untrennbar zusammen und dürfen nie getrennt voneinander auftreten. Das dörfliche Gefüge brauchte stets den Ausgleich von Schrecken und Erneuerung.

Das Schnitzen der Holzlarven

Das Anfertigen der Masken, der sogenannten Larven, ist ein altes Handwerk, das vorwiegend aus Zirben- oder Lindenholz betrieben wird. Der Schnitzer arbeitet oft wochenlang an einem Gesichtsausdruck, der Ehrfurcht gebietet, ohne völlig ins Groteske abzudriften. Die Verwendung von echten Ziegen-, Schafs- und Widderhörnern verbindet das Holz mit der bäuerlichen Tierhaltung. Wer eine solche Maske aufsetzt, tritt aus seiner eigenen Person heraus und übernimmt die Verantwortung für das Wesen, das er verkörpert.

Frau Percht und ihre slawischen Schwestern

Die Gestalt der Perchta hat tiefe Wurzeln im Alpen- und Donauraum und teilt viele Züge mit der slawischen Morana oder der Baba Jaga. Sie tritt als strenge Hüterin der häuslichen Ordnung auf, kontrolliert den Fleiß der Spinnerinnen und straft Faulheit unnachgiebig. Wer jedoch seine Arbeit ordentlich verrichtete und ihr eine Schale Brei hinstellte, erhielt ihren Segen für Haus und Hof. Sie ist weder rein gut noch rein böse, sondern verkörpert die unerbittliche Natur selbst.

Lärm als Bannmittel

Die schweren Glocken und Schellen, die um die Hüften der Läufer gegurtet sind, wiegen oft viele Kilo und verlangen den Trägern enorme körperliche Kraft ab. Der rhythmische Lärm sollte die bösen Geister der Kälte aus den Tälern treiben und die schlafende Erde aufrütteln. Wenn die Ruten der Läufer sanft die Beine der Umstehenden berührten, galt dies als Glücks- und Fruchtbarkeitssegen. Der Schrecken wandelte sich im Vollzug des Rituals in eine befreiende Gemeinschaftserfahrung.